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und wurde 618 mal aufgerufen
 Selbst Opfer
nettie Offline

Tagelöhner

Beiträge: 3

17.04.2015 17:29
Meine Geschichte Antworten

Hallo zusammen,

es fällt mir auch heute noch schwer über all das zu reden oder zu schreiben. Ich weiß auch nicht, ob ich meine ganze Geschichte hier aufschreiben kann, denn auch wenn mein Vater endlich tot ist, haben meine Ängste, meine Alpträume und alle Folgen nicht aufgehört, was ich oft dachte. Ich sagte mir immer es wird aufhören, wenn er nicht mehr da ist.

Also ich bin mit 7 anderen Geschwistern in einer Großfamilie aufgewachsen. Erinnerungen bis ich zwölf war sind bis vor kurzem noch sehr rar gewesen, ich habe sogar die schönen Erinnerungen wegdissoziiert. Erst ab 13 Jahre habe ich Erinnerungen aber nur was meine Mutter und eben meine Geschwister angeht. Meine beiden größeren Brüder haben mich mehrfach mißbraucht, meine Mutter hat mich über Jahre emotional und körperlich misshandelt. Bin sehr oft von zuhause weg gelaufen, obwohl ich große Angst im Dunkeln hatte, bin ich über Nacht weg geblieben, weil ich es nicht mehr aushalten konnte. Erst als ich in die Lehre ging hörten wenigstens die sexuellen Übergriffe meiner Brüder auf, da ich nur alle 14 Tage nachhause fuhr und ich gsd 150 km weit weg eine Ausbildung machte. Die Misshandlungen meiner Mutter blieben aber noch, solange bis ich komplett weg gezogen bin und den Kontakt zu ihr abgebrochen hatte.

Ich hatte auch all die Jahre nach der Scheidung meiner Eltern keinen Kontakt zu meinenm Vater,bis ich dann endgültig zuhause weggezogen war, da nahm ich den Kontakt wieder auf, leider, denn als meine große Tochter 1 Jahr alt war und ich 21, hatte ich ihn zu uns über Weihnachten eingeladen, wo er versucht hatte mich zu missbrauchen, ich habe mich aber gsd wehren können und lief nur noch weg. Ich weiß nicht wie lange ich gelaufen bin, bis mir bewußt wurde, dass er ja mit meiner Tochter alleine ist. Ich habe dann die ganze Nacht nicht mehr geschlafen und habe ihn am nächsten Morgen gebeten, sofort aus unserem Leben zu verschwinden, er hat es überhaupt nicht verstanden, warum ich so eiskalt ihm gegenüber war. Seitdem habe ich mich nicht mehr bei ihm gemeldet. Einen Monat später erhielt ich einen Brief von ihm, der mir zeigte, dass er scheinbar immer noch nicht verstanden hatte, was er getan hat und dann war ein Satz dabei, der mich immernoch heute fertig macht.

Nur die kleine Melanie wollte mit mir

Dieser Satz hat mir nur noch das Blut gefrieren lassen. Fragen wie: Ich hätte es doch merken müssen, oder was hat er denn mit ihr gemacht in der Zeit, als ich gelaufen bin, äußerlich war doch nichts zu sehen und sie schlief ganz ruhig, als ich wieder da war. Ich hab es dann verdrängt, konnte diesen Brief aber nie weg schmeißen.

Das Thema war erstmal vom Tisch, der Kontakt war abgebrochen und ich bekam auch keine Post mehr von meinem Vater. Aber wie das so ist, sollte dieses Thema nicht ganz verdrängt bleiben. Es kam wieder hoch als meine Tochter selber in die Lehre ging und immer, wenn es im Fach "Psychologie" um das Thema Mißbrauch ging, ging es meiner Tochter schlecht, bis sie mich dann mal fragte, ob ihr irgend etwas in die Richtung passiert wäre, ob sie als Kind eine Spieluhr mit einer bestimmten Melodie hatte. Ich konnte ihr ja nichts sagen, denn ich wußte es doch auch nicht, hatte nur ne Ahnung durch diesen Brief. Erst vor zwei Jahren habe ich die Gewissheit bekommen, als ich eine stationäre Traumatherapie gemacht habe.

Ich kann es ihr aber bis heute nicht sagen, um sie zu schützen, aber ist es wirklich so, um sie zu schützen oder ist es vielmehr nur um mich zu schützen?

Ich sollte erstmal aufhören zu schreiben, sorry.

nettie


Die eigene Geschichte aufzuschreiben ist doch schwieriger als ich dachte. :(

Seit der Traumatherapie. wo EMDR angewendet wurde, weiß ich, daß es schon vorher Übergriffe meines Vaters gab, der erste mit 5 Jahren und seit einpaar Wochen weiß ich auch, warum ich meine ersten zwölf Jahre komplett weg dissoziiert habe, was trotzdem noch so unfassbar und unglaublich für mich ist, was aber noch unfassbarer für mich ist, dass meine Mutter all das zugelassen hat, ohne mich zu schützen, ohne uns zu schützen.

Ich dachte immer meine Mutter hätte mich nicht schützen können, weil sie davon nichts wußte, doch als sie vor 4 Jahren bei mir anrief, ich muß dazu sagen, dass sie meine Rufnummer eigentlich nicht kannte und sie sich diese aus dem persönlichen Telefonbuch meiner kleinen Schwester genommen hat und aus einer Telefonzelle anrief. Aber seit diesem Anruf weiß ich, dass sie auch von den Übergriffen meiner beiden großen Brüder wußte und mich zu keiner Zeit geschützt hat.

Dieser Anruf hat mir dann komplett den Boden unter den Füßen weggezogen, von da an konnte ich garnichts mehr verdrängen, ich habe nur noch Bilder aus der Vergangenheit in meinem Kopf gehabt, konnte nicht mehr schlafen, bekam nur noch Alpträume, Flashs, die hoch kamen und ich konnte damit nicht mehr umgehen. Zu dem Zeitpunkt war ich aufgrund zweier Unfälle bei einer Verhaltenstherapeutin seit drei Wochen in Behandlung, der Termin nach dem Anruf war nicht mehr so wie die drei Termine vorher, sie merkte das und hakte nach, da habe ich gemerkt wie ich aus meinem Körper sozusagen ausgestiegen bin und mich selbst beobachtet habe. Gsd konnte sie mich zurück holen ins Jetzt, sagte mir aber auch, dass sie mich zu einer Kollegin lieber schicken würde, die sich mit Traumatherapie auskennt. Ich dachte erst sie will mich doch nur los werden und Traumatherapie brauche ich doch nicht, ich möchte doch einfach nur normal über die Straße gehen können ohne Angst zu haben, ich werde wieder angefahren.

Seitdem ist mein Leben nicht mehr so wie es vorher war. All das, was ich Jahrzehnte so super gut verdrängt hatte, war und ist present und es fällt mir heute noch wahnsinnig schwer, es so anzunehmen, mich so anzunehmen, wie ich bin, mit all meinen Schwierigkeiten, die ich dadurch hatte und leider auch heute noch habe.

das ist meine Geschichte in Kurzfassung.

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