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Dieses Thema hat 3 Antworten
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 Selbst Opfer
Jules Offline

Tagelöhner

Beiträge: 3

20.12.2008 23:54
Missbrauch in der Familie Antworten

Hallo zusammen,
mir ist seit einigen wochen sehr klar wie stark ich von diesem Thema betroffen bin und bin seit dem zeitpunkt auch sehr stark auf der suche nach hilfe.
wenn es ok ist würde ich euch gerne kurz (versuchen) erklären worum es geht. ich bin 23 und habe eine jüngere Schwester von 16 jahren. bis august 08 habe ich noch mit meinen Eltern und meiner Schwester zusammen gewohnt. bin dann aberw egen eines studiums ausgezogen. Als ich zwischen 8 und 9 jahre alt war, hat mein vater versucht mich im spiel dazu zu bringen ihn anzufassen, habe aber aus kindlicher trotzigkeit gesagt "nö, mach ich nicht, will ich nicht" womit das auch der letzte versuch meines vaters mir gegenüber war. dieses thema stand auch nie zwischen uns und ich habe das was dort passiert ist nie in frage gestellt. ich habe gelernt damit zu leben, auch wenn ich im nachhinein wusste, das das was er getan hat nicht richtig war. trotz allem waren wir eine "heile familie". meine mutter weiss von alle dem nichts. Auch nicht das meine Vater sich öfter zum mastubieren zurück zieht und pornographische hefte besitz.
Meine schwester und ich hatten bis ich ca. 16 (meine schwester 9 j.) war nicht viel miteinander zu tun, wir haben mehr oder weniger aneinadner vorbei gelebt. Unser verhältnis hat sich aber immer mehr gebessert und wir sind viel mehr ins gespräch gekommen. auch über unseren vater. das zweite problem mit ihm ist das er koleriker ist, was in der familie als sehr schwierig angesehen wird. jedenfalls haben wir uns immer intensiver über ihn unterhalten können, bis sich meine schwester mir gegenüber geöffnet hat und wir feststellen mussten, das wir das gleiche schicksal mit uns tragen. bzw. bei meiner schwester scheint es tiefere spuren hinterlassen zu haben. Eine gefahr geht von unserem vater nicht mehr aus. das war ca. 2007. im april 2008 kamen wir eurneut auf dieses thema und wir haben überlegt ob wir hilfe brauchen. diese habe ich dann in einer beratungsstelle aufgesucht, die ich mit meiner schwester zusammen besucht habe. in diesem gespräch haben wir jedoch festgestellt das wir noch nicht so weit waren darüber offen sprechen zu können. womit sich das thema vorläufig erledigt hatte.
im august 2008 bin ich zu hause ausgezogen und mit meinem freund zusammen gezogen (wegen dem studium).
Ende nov. 2008 war ich bei meiner schwester zu besuch, die mir dann mitteilte, das es ihr nun, wo ich nicht mehr da bin, sehr schwer fällt sich in der familie zurecht zu finden, bzw. das sie meinem vater nicht mehr unter die augen treten kann und sich hauptsächlich zurück zieht. Sie empfindet hass gefühle.
Durch unser Gespräch in dem wir eine therapie für uns beide angedacht hatten wurde mir plötzlich alles ganz klar! Wir hatten gar keine Familie! Wir haben einen vater als täter! ich habe die mutterrolle für meine schwester übernommen! ich habe mir jahrelang etwas vorgemacht! ich habe meine schester nicht schützen können weil ich in meiner pubertät zu viel mit mir selbst beschäftigt war!
Zunächst wolten wir uns therapeuten aufsuchen, mussten aber feststellen, das wir dazu hilfe bräuchten. Ich wollte nicht drei millionen stationen durchlaufen um das richtige zu findne. ich war noch mal in der beratungsstelle von damals, die mir jedoch auch nicht viel weiter helfen konnte. Habe mich nun ans jugendamt gewendet gehabt und habe jetzt eine adresse einer beratungsstelle die uns vielleicht weiter helfen kann (wir warten auf einen termin ^^)
es ist unglaublich was man alles durch machen muss! als würde das alles nicht schon reichen! Um ehrlich zu sein bin ich völlig am ende, auch wenn ich versuche stark zu sein, denn die welt dreht sich ja weiter und meine schwester braucht auch eine stütze! Aber ich habe das gefühl es nimmt mich auseinander!
Wir müssen es in der familie offen machen aber was ist mit unserer mutter? was ist wenn . . . ich kann das alles noch nicht weg stecken ich weiss nicht wohin mit meinen depressionen, die passen nicht in meinen alltag und die welt bleibt nicht stehen und wartet bis alles gegessen ist und nun ist auch noch weihnachten . . .
oh je, ich habe das gefühl ich könnte noch ohne ende schreiben, aber ich wollte ja versuchen mich kurz zu fassen und euch nicht gleich die ohren voll jammern und nun ist es doch passiert :-(
Aber man fühlt schon verdammt alleine . . . wo man ja weiss das noch ein langer weg auf einen wartet . . .
ich hoffe ihr nehmt es mir nicht all so übel, das der text nun doch so lang ist!
ich möchte aber schon mal fürs lesen danken und dafür das es hier überhaupt die möglichkeit gibt!
lg
jules

Morrighan Offline

Administratorin

Beiträge: 15

27.02.2009 23:24
#2 RE: Missbrauch in der Familie Antworten
Hey Jules,

ich hab es endlich geschafft deinen Beitrag zu lesen:)

Das was du und deine Schwester dort als Kinder erlebt habt, ist wirklich krass!! Ich denke mal, du hast es verdrängt. In der Kindheit wird viel verdrängt was erst später wieder zum Vorschein kommt wenn man Erwachsen ist.
Diese Bewusstheit die du aber erlangt hast, hat dir die Augen für deinen weiteren Weg geöffnet. Und ich hoffe, du wirst ihn mit einer Sis zusammen gehen:)
Du lebst ja nicht mehr zu Hause, deine Schwester denn noch? Ich kann mir gut vorstellen, dass es unerträglich für sie sein muss, dort noch zu leben.
Hast du deine Schwester mal gefragt, ob sie erwartet, dass du immer stark bist?? Ich glaube, auch sie würde dir erlauben zu weinen... Du bist genauso ein Mensch wie sie...Mit stärken und schwächen...Mit einer dunklen und einer hellen Seite, egal wie wirs nun nennen wollen. Der Punkt ist, auch du hast das Recht so zu sein wie du bist udn das auch zu zeigen! Deine Sis liebt dich so wie du bist, nicht deine "starke Maske" die du auf hast!

Das ihr da so lange auf einen Termin warten müsst, find ich auch blöd. Ist aber leider bei den meisten so... Gerade aber solche Erlebnisse sind schlimm, wenn sie hochkommen und man selbst noch keine "professionelle" Hilfe bekommt. Dann wenn man einen Therapeuten gefunden hat, muss man ja auch ersteinmal schauen, ob die Chemie stimmt. Wenn nämlich nicht, muss man leider wieder suchen um einen neuen zu finden.
Da dein beitrag ja schon bissl was her ist, hoffe ich, dass ihr schon einen Termin hattet??? Wäre schön wenn du es uns mitteilen könntest... Ansonsten kannst du dir auch telefonnummern von der Kassenärztlichen Vereinigung holen;) Die werden dir eine Liste schicken mit den Therapeuten in deiner nähe und du kannst die dann abtelefonieren.

Ich fänd es wirklich schön, wenn du uns auf den aktuellen Stand in deiner Sache bringen könntest. Ich werde auch viel öfter nun hier sein!!
Euch sende ich viel Kraft...Bis dann...

Lg

Acceber Offline

Tagelöhner

Beiträge: 1

21.04.2009 15:03
#3 RE: Missbrauch in der Familie Antworten

Hallo,

ich (24) bin neu hier und hoffe durch das öffentliche Aufschreiben und "reden" endlich mal eine Last von mir werfen zu können.
Im Alter von 5 (falls es früher anfing, kann ich mich nicht mehr daran erinnern) bis ca. 12 Jahren wurde ich regelmäßig von meinem 7 Jahre älteren Cousin sexuell missbraucht. Er nutze jede Gelegenheit in der wir alleine waren, mich anzufassen, sich anfassen zu lassen oder vor mir zu onanieren um mir dein Sperma zu zeigen. Zu einem sexuellem Akt kam es Gott sei Dank nie. Wir sind eine große Familie und niemand hat jemals etwas mitbekommen. Ich weiß nicht, warum ich noch freiwillig zu ihm, also zu meiner Tante und meinem Onkel nach Hause ging. Als mein Cousin hat er natürlich auch ab und an mal bei uns übernachte, was ihm zugute kam. Noch heute habe ich ein Problem damit, Männern, die sich mir nähren eine klare Ansage zu machen und denke, "ach, naja, so schimm ist das ja nicht". Aufgehört hat das alles erst, als mein großer Bruder ihn "erwischt" hat und seit dem hat er sich nie wieder getraut mich anzufassen. Aber er hat es auch auf sich beruhen lassen.
Die ganzen Jahre habe ich niemandem etwas erzählt, weil ich dachte, es weggesteckt zu haben, schliesslich war es ja "nicht so schlimm". Wir hatten seit dem kein Verhältnis zueinander, haben uns nicht Hallo und nicht Tschüss gesagt, irgendwann kam er auch noch mit meiner besten Freundin zusammen und nun konnte ich erst recht niemandem davon erzählen und die Freundschaft mit ihr hat leider sehr gelitten.
Jetzt kam dieses Thema wieder auf, weil meine Schwägerin ihre 8 jährige Tochter dabei gesehen hat, wie sie und ihr 13 jähriger (beide ein wenig zurückgeblieben) sich angefasst haben. Meine Mutter war völlig entsetzt und hat mir davon berichtet. Sie fragte, warum meine Schwägerin und meine Bruder nichts dagegen unternehmen würden und das könne man doch nicht mit einem "lasst das" abtun. Sie hat nicht gemerkt, was das in mir auslöste. Erst wollte ich sie fragen, warum SIE jahrelang nicht bemerkte, was MIR vor ihrem Augen angetan wurde, doch wie immer schwieg ich.
Nun ist dieser Cousin mit 31 Jahren verstorben und meine Gefühle wurden wieder aufgewühlt. Ich habe in dieser ganzen Trauerzeit meiner Familie nicht eine Träne vergossen und hatte es auch nicht vor. Ich weiß nicht mal, ob ich richtig begriffen habe, dass er wirklich tot ist. Ich fühlte rein gar nichts, weder auf der Trauerfeier noch sonst wann.
Ich weiß nur, dass sich meine Gedanken nun immer wieder darum drehen und ich vielleicht doch mal professionelle Hilfe brauche. Aber eigentlich ist es ja nun vorbei und was soll ich das noch aufarbeiten?

Vielleicht hilft es auch einfach nur hier darüber zu reden, um meine Ruhe zu finden.

Arthus Offline

Lehrling

Beiträge: 22

06.05.2010 19:55
#4 RE: Missbrauch in der Familie Antworten

Hallo Acceber!
Habe auch Missbrauch in der eigenen Familie erlebt.
Das ich nicht der einzige war glaubte ich nie und glaube das auch heute nicht.
Gehe davon aus, dass sich dies in meiner Familie kreuz und queer durchzog.
Darüber wurde nche gesprochen und ich wurde von allen Seiten mudtot gemacht. Wahrscheinlich kam das den Brüdern ihrem Verdränge in die Queere.
Hatte so ziehmlich alles vergessen. Wußte nur, dass es sehr schlimm war.
Als ich mit meiner Therapie anfing hatte ich urplötzlich keine Familie, dann keine Schwägerinnen, dann keine Neffen, keine Nichte, dann keine Verwandten, Bekannten mehr. Das nennt sich Dominoeffekt.
Ob die jetzt alle verdrängen oder nur nix damit zu tun haben wollten weiß ich nicht. Habe keinen mehr wiedergesehen.
Damals wußte ich nicht genau warum. Heute habe ich alles klar in Erinnerung.
Ich war schon als Kind ein redseeliges Kerlchen und wurde stets mundtod gemacht.
Die wußten alle Bescheid und sind wahrscheinlich vorsichtshalber geflohen.
Ach so, wollte das mit den Gefühlen eigentlich erwähnen.
Das kenne ich. Denen gegenüber fühle ich auch nichts. Ob die leben oder schon verstorben sind.
Ich fühle denen gegenüber nichts menschliches. Mir fehlt deren Mitgefühl und wahrscheinlich ist das der Grund. Wo kein Gefühl herkommt kann ich selbst nichts fühlen.
Eine Tante hat sich entschuldigt. Sie habe nichts gewußt. Wofür die sich jetzt entschuldigt hat konnte die mir auch nicht erklären. Aber die Gefühle sind ihr gegenüber anders. Wahrscheinlich weil ich irgendwie Mitleit von ihr fühlen konnte.

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