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Dieses Thema hat 3 Antworten
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 Angehörige von Opfern
bestFriend Offline

Administrator

Beiträge: 10

02.05.2010 14:39
Problematik der Schuld - oder wer sich schuldig fühlt, ist es meistens nicht Antworten

Meine beste Freundin ist vor mittlerweile vier Jahren von dem Freund einer "Freundin" vergewaltigt worden. Seitdem tut sie die meiste Zeit so als wäre alles in Ordnung, und dann nach einiger Zeit folgt wieder der Zusammenbruch. Gestern war es wieder so weit. Sie hat seit fast einem Jahr einen festen Freund und der war drauf und dran mit ihr Schluss zu machen, weil er nicht verstand warum sie immer wegen scheinbaren Kleinigkeiten so austickte. Wahrscheinlich hat er geahnt dass da irgendwas ist, etwas sehr schlimmes und kaum aussprechbares...
Ich habe dann stundenlang mit ihr gesprochen, damit sie die Kraft aufbringt ihm zu sagen warum (der Wille war ja da). Er hat sehr verständnisvoll reagiert und auch gleich versucht ihr zu erklären dass es nicht ihre Schuld war (mache ich schon seit vier Jahren). Ich bin mir aber sicher, so stark sie aus meiner Sicht auch gestern war, heute ist wieder alles als wäre nie etwas geschehen. Ich, und ich denke auch er - fühlen uns einfach so hilflos und machtlos. Es ist ein furchtbares Gefühl zu WISSEN, dass man die Menschen die einem Alles bedeuten nicht schützen kann, und nichts tun zu können als zu warten. Es ist mehr als nur ein Gefühl der Opfer, dass nichts so ist und nie mehr so sein wird wie es war. Es WIRD nie mehr so sein. Ich denke, sie fühlt sich auch deshalb schuldig weil sie das Leben der Menschen die sie liebt aus den Fugen reißt. Sie ist auch der Grund, aber es ist deshalb noch lange nicht ihre Schuld.
Es ist unsere Entscheidung, die wir allein getroffen haben, und wir haben uns entschieden zu bleiben. Ich finde das wäre auch ein sehr wichtiger Punkt in der Liste zur "Selbsthilfe". Man fällt niemandem zur "Last", nur weil man die angebotene Hilfe annimmt. Es ist eine Bürde, die wir uns selbst auferlegt haben und niemand sonst. Abgesehen vielleicht von dem wirklichen Schuldigen. Wenn jemand für einen anderen entscheidet, dann entbindet das von jeglicher Verantwortung über die Folgen. Weil man solche Dinge nicht entscheiden konnte, und auch sonst keinen Einfluss darauf hat. Und genau das setzt die Schlussfolgerung "Schuld" vorraus.

Morrighan Offline

Administratorin

Beiträge: 15

02.10.2010 23:58
#2 RE: Problematik der Schuld - oder wer sich schuldig fühlt, ist es meistens nicht Antworten

Hey bestfriend,

sorry für die späte antwort, aber wie du sicherlich auch schon bemerkt hast, sind Mitglieder recht unregelmäßig online.

Nun ja, du sprichst ein wichtiges Thema an. Es ist in jedem Fall schwierig zuzuschauen wie ein Opfer hilflos seinen Gefühlen, seinen Hochs und Tiefs ausgesetzt ist. Kann ich sehr gut nachempfinden. Deine Freundin kann wahrscheinlich manchmal selbst gar nicht beschreiben was gerade in ihr vorgeht, was das alles ist was sie da überflutet.
Ich hoffe sie hat oder nimmt professionelle Hilfe in Anspruch??? Finde ich auch nochmal sehr wichtig, damit sie dort richtig aufgefanden werden kann! Denn ihr als Freunde könnt nicht alles abfangen und erst recht tut ihr euch damit keinen großen gefallen, denn auch euch belastet es. Deshalb ist es wichtig, dass sie weiß, ihr seid zwar da, aber ihr könnt es nicht zu eurem thema machen, soll heißen, dass es euch so belastet dass nur noch eure gedanken darum kreisen etc.
Freundschaft und Menschen die einem nahe stehen sind sehr wichtig, weil es ein gewohnter liebevoller Rahmen ist!
Und ich gebe dir recht, es wird niemals mehr so wie vorher sein. Und wahrscheinlich wird auch deine Freundin sich im laufe der Zeit noch mehr verändern, was man natürlich nicht zu 100% sagen kann.

Für euch als Freunde ist es wichtig zu wissen, dass ihr sie und auch keine anderen Freunde vor allem Leid und jeder Gefahr bewahren könnt. Ist ja leider eben so. Und jeder ist für sich selbst verantwortlich, deine Freundin muss jetzt wohl erstmal sich damit befassen, sich selbst anzunehmen wie sie ist, nämlich damit dass sie vergewaltigt worden ist. Das gehört nun zu ihrem Leben! Eine Erfahrung die sie und ihr ganzes Leben prägen wird, für immer. So traurig das auch klingt. Selbstwertgefühl aufbauen ist ebenso wichtig!

Worauf ich hinaus will? Hm... Joah... Das ihr als Freunde alles richtig gemacht habt. Ihr seid ihre Freundin geblieben!!! Falls sie noch keine Therapie macht, hilft vielleicht sie orthin zu bewegen und sie zu begleiten. Mehr könnt ihr nicht tun. Ihr gebt immer 100% und mehr kann man nicht geben.

So, netten Abend noch!

Liebe Grüße

bestFriend Offline

Administrator

Beiträge: 10

27.01.2011 21:57
#3 RE: Problematik der Schuld - oder wer sich schuldig fühlt, ist es meistens nicht Antworten

Hallo Morrighan,

Kein Problem ich habe selber nicht immer die Zeit dazu, also kann ich's gut nachvollziehen.

Größtenteils stimme ich dir absolut zu, nur ich denke dass die Grenzen so fließend sind zwischen sinnvoller Unterstützung und dem Punkt an dem man selbst "bis zum Hals mit drin steckt", dass es bei aller Vernunft und Mühe leichter gesagt als getan ist sich nicht mit rein ziehen zu lassen.

Natürlich ist das alles Andere als erstrebenswert, aber ich denke bis zu einem Gewissen Grad unvermeidlich. Wichtiger ist dass man dann auch mal egoistisch ist und lieber rechtzeitig die Notbremse zieht, als dass man dann selbst derjenige ist der Hilfe braucht.

Das hilft nun wirklich Niemandem, und am Wenigsten der Person der man eigentlich helfen wollte!

Die qualifizierteste Person für diese Aufgabe wäre natürlich mit Abstand ein Therapeut bzw. Psychologe. Nur was tun wenn eben der Mensch sich partout nicht in eine angemessene Therapie begeben will? Wenn alles gut Zureden nichts nützt?

Das ist eine Frage die mich schon sehr lange beschäftigt, denn genau das will sie absolut nicht. Da braucht man manchmal schon eine Engelsgeduld, aber ich bin mir sicher sie würde das selbe für mich tun.

Und wäre man selbst in einer - ich nenne es mal allgemein Notlage - ist man ja auch froh wenn man die Hife bekommt die man braucht.

Man sollte nicht nur mit Anderen nicht zu streng sein, sondern das selbe Recht auch für sich geltend machen.

Dann würd ich mich bei der Gelegenheit noch gern bei dir für dein Lob bedanken, denn das ist wirklich immer Balsam für die Seele und kann man auch als nicht direkt Betroffene gut gebrauchen.

In dem Sinne liebe Grüße auch von mir und alles Gute

Arthus Offline

Lehrling

Beiträge: 22

06.02.2011 10:18
#4 RE: Problematik der Schuld - oder wer sich schuldig fühlt, ist es meistens nicht Antworten

Hallo Zusammen.
Es ist nicht einfach den Schritt in die Therapie zu machen.
Auch wenn wir kluger Weise wissen, dass da kaum ein Schritt dran vorbei geht.
Therapie bedeutet aber sich wieder damit zu beschäftigen und das kostet auch viel Kraft.
Therapie macht ein Traumatisierter dann, wenn er dazu bereit ist und sich dazu in der Lage fühlt.
Freunde zu haben, die einen Unterstützen und für einen da sind ist eine tolle Sache.
Die müssen aber auch auf sich achten.
Wir Opfer haben gelernt auszuhalten. Auch wenn es nicht immer so aussieht.
Achtet nicht nur auf uns, achtet auf euch selbst. Wir brauchen euch.
Bedrängt uns nicht, denn wir fühlen uns ohnehin schon beschissen genug.
Seit einfach nur da und geht, wenn es euch zu viel wird.
Wir kämpfen in uns, so wie wir es immer schon getan haben.
Habt Verständnis, wir werden uns bemühen euch dieses auch entgegenzubringen.
LG.

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